Paris Photo 2026: Die führende internationale Kunstmesse für Fotografie im Grand Palais
Paris Photo | 12.–15. November 2026 im Grand Palais, Paris. Alle Infos im Überblick: Besuchen Sie den offiziellen Ticket-Shop oder wenden Sie sich an den Kundenservice von Paris Photo.
Was ist die Paris Photo?
Paris Photo ist die weltweit führende internationale Messe, die ausschließlich der Fotografie gewidmet ist. Seit ihrer Gründung 1997 verfolgt sie die Mission, fotografisches Schaffen an der Quelle zu fördern, also die Galerien, Verlage und Künstlerinnen und Künstler, die das Fundament des Mediums bilden. Mit rund 60.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich zählt die Messe zu den zentralen Terminen im internationalen Kunstkalender und findet traditionell im November im Pariser Grand Palais statt.
Was als vergleichsweise kleines Fachereignis begann, hat sich über nahezu drei Jahrzehnte zu einem globalen Treffpunkt entwickelt, der historische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts ebenso versammelt wie digitale und KI-gestützte zeitgenössische Bildkunst.
Gründung & frühe Jahre (1997–2010)
Die Paris Photo wurde 1997 von Rik Gadella ins Leben gerufen. Die erste Ausgabe fand im Carrousel du Louvre statt, direkt neben dem weltberühmten Louvre-Museum, und versammelte 60 international anerkannte Galerien und Kunstverlage aus über zwölf Ländern. Die bewusste Nähe zu einer derart ehrwürdigen Institution war eine kluge strategische Entscheidung: Sie verlieh der jungen Messe von Anfang an Prestige und signalisierte den Anspruch, Fotografie als vollwertige Kunstform neben Malerei und Skulptur zu etablieren.
2001 übernahm die Reed Expositions France die Trägerschaft der Messe und schuf damit die finanzielle und organisatorische Basis für weiteres Wachstum. Rik Gadella leitete die Paris Photo bis 2004, gefolgt von Valerie Foujerole (2005–2007) und Guillaume Piens (2008–2010).
Bereits in dieser frühen Phase setzte die Messe auf thematische Schwerpunkte und internationale Gastländer, um sich von allgemeinen Kunstmessen abzugrenzen: 2007 war Italien Ehrengast, mit 105 Ausstellern aus 16 Ländern und Werken von rund 500 internationalen Fotografinnen und Fotografen, darunter ein Schwerpunkt auf italienischer Fotografie der 1970er- bis 1990er-Jahre. 2009 präsentierten 102 Aussteller aus 23 Ländern einen von Catherine David kuratierten Schwerpunkt zu arabischer und iranischer Fotografie, und 2010 rückte unter der Kuratorin Nataša Petrešin-Bachelez zentraleuropäische Fotografie mit Positionen von Alessandra Sanguinetti und Simen Johan in den Fokus.
Ausbau & Innovation (2011–2020)
2011 zog die Paris Photo unter der Leitung von Julien Frydman in das historische Grand Palais um, eine deutlich größere und prominentere Location, die es der Messe erlaubte, mehr Aussteller und ein breiteres Publikum anzuziehen. Die Besucherzahl stieg in der Folge von rund 40.000 im Jahr 2006 auf über 64.500 im Jahr 2017. Zeitgleich startete das umfangreiche Vortragsprogramm „Platform" (zunächst „Conversation Series"), ein viertägiges Forum mit Gesprächen zwischen Kuratorinnen, Künstlern, Sammlerinnen und Kritikern, unter anderem zu Themen wie „Writing the Image" und „Celebrating Women Artists", simultan übersetzt und teils über den YouTube-Kanal der Messe frei zugänglich.
2012 wurden gemeinsam mit der Aperture Foundation die Paris Photo–Aperture PhotoBook Awards ins Leben gerufen, siehe dazu den eigenen Abschnitt weiter unten. Von 2013 bis 2015 wagte die Messe zudem eine transatlantische Erweiterung mit einer Schwesterausgabe in Los Angeles, ausgerichtet in den ikonischen Paramount Pictures Studios. Eine für 2020 geplante Ausgabe in New York wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben.
Programmatisch kamen in dieser Phase mehrere neue kuratierte Sektoren hinzu: Prismes (2015) für großformatige Werke, Serien und Installationen, sowie Curiosa, ab 2018 zunächst mit Fokus auf erotische Fotografie eingeführt und später zu Emergence weiterentwickelt, einer Plattform für junge internationale Galerien und aufstrebende Künstlerinnen und Künstler. Ebenfalls 2018 startete in Zusammenarbeit mit dem französischen Kulturministerium die Initiative „Elles x Paris Photo" zur gezielten Förderung von Fotografinnen.
Aktuelle Entwicklung (2021–heute)
Wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten am Grand Palais wich die Messe von 2021 bis 2023 auf das provisorische Grand Palais Éphémère aus, unter der Leitung von Florence Bourgeois und Anna Planas. Im November 2024 kehrte die Paris Photo zur 27. Ausgabe in das nun auf über 21.000 Quadratmeter erweiterte, restaurierte Grand Palais zurück, ein deutliches Signal für die Stabilität und das fortgesetzte Wachstum der Messe.
Auch sektoral entwickelte sich die Messe in dieser Phase weiter: 2023 kuratierte Nina Roehrs den neuen Sektor Digital, der Galerien und Plattformen an der Schnittstelle von Fotografie, digitalen Realitäten und KI-generierten Bildern zeigt. 2024 kam mit Voices ein weiterer Sektor hinzu, für den international renommierte Kuratorinnen und Kuratoren wie Azu Nwagbogu, Sonia Voss und Elena Navarro eingeladen wurden, um etwa die litauische Fotoszene oder neue lateinamerikanische Positionen vorzustellen. Die 28. Ausgabe fand vom 13. bis 16. November 2025 statt, bevor die Messe 2026 mit ihrer 29. Ausgabe das 200-jährige Jubiläum der Fotografie feiert (siehe unten).
Editionen im Überblick
| Jahr | Ort | Leitung | Meilenstein |
|---|---|---|---|
| 1997 | Carrousel du Louvre | Rik Gadella | Gründungsausgabe, 60 Galerien aus 12+ Ländern |
| 2001 | Carrousel du Louvre | Rik Gadella | Übernahme durch Reed Expositions France |
| 2011 | Grand Palais | Julien Frydman | Umzug ins Grand Palais, Start des „Platform"-Programms |
| 2012 | Grand Palais | Julien Frydman | Einführung der Paris Photo–Aperture PhotoBook Awards |
| 2015 | Grand Palais & Los Angeles | Julien Frydman | Einführung Sektor Prismes; letzte LA-Ausgabe |
| 2018 | Grand Palais | Florence Bourgeois & Christopher Wiesner | Sektor Curiosa (später Emergence); Start „Elles x Paris Photo" |
| 2021–2023 | Grand Palais Éphémère | Florence Bourgeois & Anna Planas | Ausweichquartier während der Renovierung; 2023 Start Sektor Digital |
| 2024 | Grand Palais | Florence Bourgeois & Anna Planas | Rückkehr ins restaurierte Grand Palais; Start Sektor Voices |
| 2025 | Grand Palais | Florence Bourgeois & Anna Planas | 28. Ausgabe, 13.–16. November |
| 2026 | Grand Palais | Florence Bourgeois & Anna Planas | 29. Ausgabe, 12.–15. November, 200 Jahre Fotografie |
Sektoren im Überblick
Die Paris Photo gliedert sich in mehrere spezialisierte Bereiche, die zusammen ein sehr breites Bild der Fotografie zeichnen:
| Sektor | Eingeführt | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Main | 1997 | Zentraler Galerienbereich mit historischen und zeitgenössischen Werken |
| Platform | 2011 | Gesprächsforum mit Kuratorinnen, Künstlern und Kritikern zu Geschichte, Praxis und Trends der Fotografie |
| Prismes | 2015 | Großformate, umfangreiche Serien und raumgreifende Installationen, u. a. August Sanders „People of the 20th Century" mit rund 600 Abzügen und Anton Kusters' Polaroid-Installation „The Blue Skies Project" |
| Emergence (vormals Curiosa) | 2018 | Künstlerisch geführte Plattform für junge internationale Galerien und aufstrebende Talente |
| Digital | 2023 | Galerien und Plattformen an der Schnittstelle von Fotografie, digitalen Realitäten und KI-generierten Bildern |
| Voices | 2024 | Von eingeladenen internationalen Kuratorinnen und Kuratoren gestaltete Präsentationen zu aktuellen Themen und Regionen |
| Book | Durchgehend | Spezialisierte Verlage und Antiquariate, Buchvorstellungen und Signierstunden |
Elles x Paris Photo & PhotoBook Awards
Elles x Paris Photo, 2018 gemeinsam mit dem französischen Kulturministerium gestartet, widmet sich gezielt der Förderung von Fotografinnen, historisch wie zeitgenössisch. Die Initiative umfasst einen eigens kuratierten Rundgang durch die Messe sowie Förderzuschüsse für teilnehmende Galerien und wurde unter anderem von Fannie Escoulen (2018), Federica Chiocchetti (2022) und Raphaëlle Stopin (2024) kuratorisch begleitet. Seit ihrem Start ist der Anteil weiblicher Positionen auf der Messe von rund 20 auf 38 Prozent gestiegen, ein deutlicher struktureller Effekt.
Die 2012 mit der Aperture Foundation ins Leben gerufenen Paris Photo–Aperture PhotoBook Awards würdigen jährlich herausragende Fotobücher in den Kategorien First PhotoBook, PhotoBook of the Year und Photography Catalogue of the Year, die Auszeichnung für das beste Erstlingswerk ist mit 10.000 US-Dollar dotiert. Ausgezeichnete Titel der vergangenen Jahre waren unter anderem „ZZYZX" von Gregory Halpern (PhotoBook of the Year 2016), „Museum Bhavan" von Dayanita Singh (2017) und „The Drawer" von Vince Aletti (2023). 2019 wurde mit Hannah Darabis „Enghelab Street, A Revolution through Books: Iran 1979–1983" zudem ein Werk mit dezidiert politisch-historischem Anspruch als beste Photography Catalogue ausgezeichnet, ein Beleg dafür, dass die Jury bewusst auch gesellschaftlich relevante Projekte würdigt.
Markt, Kultur & Nachhaltigkeit
Marktbedeutung: Mit bis zu 200 Ausstellern, rund 7.000 Sammlerinnen und VIP-Gästen sowie Vertretungen von über 180 Museumsgruppen ist die Paris Photo ein zentraler Knotenpunkt für Fotografiekunst. Der Marktdatenanbieter Artprice nutzt die Messe traditionell als Bühne für seinen jährlichen Bericht zum globalen Fotografiemarkt, ein Beleg für ihre Bedeutung als Branchenbarometer. Laut Artprice entfielen zuletzt rund 3 Prozent des Auktionsumsatzes im zeitgenössischen Kunstmarkt auf Fotografie, während der gesamte zeitgenössische Kunstmarkt seit dem Jahr 2000 um rund 1.800 Prozent gewachsen ist.
Kulturelle Bedeutung: Frankreich gilt als Geburtsort der Fotografie und bewarb das Medium bereits 1839 als „französische Erfindung". Institutionen wie die Fotografie-Festspiele Rencontres d'Arles und dedizierte Fotografiemuseen entstanden in Frankreich bereits in den 1970er-Jahren. Paris Photo setzt diese Tradition fort und trägt mit ihrem Vortragsprogramm, wissenschaftlicher Anerkennung und Kooperationen mit Institutionen wie dem Centre Pompidou maßgeblich zur weiteren Institutionalisierung der Fotografie als eigenständige Kunstform bei.
Nachhaltigkeit & Inklusion: Die Messe verfolgt eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden, mit einem Zwischenziel der Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2030. Konkrete Maßnahmen umfassen die Reduzierung von Teppichböden und Einwegplastik, wiederverwendbares Standmaterial, ein angepasstes, auch vegetarisches Catering sowie ein integriertes Abfallmanagement. Zugleich garantiert die Messe barrierefreien Zugang zu allen Ständen und berücksichtigt besondere Bedürfnisse hinsichtlich Zugänglichkeit, Lärm und Licht.
Paris Photo 2026: Bicentenaire der Fotografie
Die Ausgabe 2026 findet vom 12. bis 15. November im Grand Palais statt und fällt mit einem besonderen historischen Anlass zusammen: dem 200-jährigen Jubiläum der Fotografie, gerechnet ab Nicéphore Niépces erster dauerhafter Aufnahme im Jahr 1826. Passend dazu zieht sich das Jubiläumsthema durch das gesamte Messeprogramm, von den Galeriepräsentationen bis zu einer eigens kuratierten Ausstellung in Kooperation mit dem Centre Pompidou, die rund 100 Werke aus dessen Sammlung von etwa 30 historischen und zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern zusammenführt.
Zur Ausgabe 2026 werden über 200 Aussteller aus rund 38 Ländern im Grand Palais erwartet, begleitet von langjährigen Partnern wie BMW, das die Messe seit über zwei Jahrzehnten unterstützt, sowie dem neu hinzugekommenen Partner Pictet.
„Zweihundert Jahre nach Niépce trifft sich die gesamte Geschichte der Fotografie für vier Tage an einem einzigen Ort, das macht die Paris Photo zu einem der spannendsten Termine im Kalender jedes Sammlers." — Jans Bock-Schroeder, Collection Bock-Schroeder