Herbert von Karajan: Biografie, Berliner Philharmoniker, Salzburg Festival & Deutsche Grammophon

Herbert von Karajan (1908–1989) war ein österreichischer Dirigent, der 34 Jahre lang (1955–1989) Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war und zugleich die Wiener Staatsoper, die Salzburger Festspiele sowie die von ihm gegründeten Salzburger Osterfestspiele leitete. Er gilt als der kommerziell erfolgreichste und technologisch einflussreichste Dirigent des 20. Jahrhunderts, bekannt für seinen homogenen „Karajan-Klang“, seine über 900 Aufnahmen umfassende Diskografie, seine Mitentwicklung der Compact Disc (CD). Dieser Artikel verbindet die belegte Faktenlage mit seltenen, unveröffentlichten Fotografien, die Peter Bock-Schroeder 1964 in Salzburg und Südfrankreich aufnahm.

Schwarz-Weiß-Porträt des Dirigenten Herbert von Karajan, der den Kopf auf seine Hand stützt und einen strukturierten Strickpullover mit V-Ausschnitt über einem dunklen Hemd trägt.

Der Dirigent Herbert von Karajan in einer nachdenklichen Pose, aufgenommen vom Fotografen Peter Bock-Schroeder.

Herbert von Karajan

Salzburg 1964

Schwarz-Weiß-Porträt des Dirigenten Herbert von Karajan vor einem zweimotorigen Propellerflugzeug, eine Hand auf den Propeller gelegt.

Der passionierte Pilot und Dirigent Herbert von Karajan vor seinem Flugzeug, fotografiert von Peter Bock-Schroeder.

Herbert von Karajan Flugzeug Porträt

Salzburg Flughafen

Schwarz-Weiß-Nahaufnahme von Herbert von Karajan im grauen Strickpullover, die Finger leicht an die Wange gelegt, mit direktem Blick.

Intimes Schwarz-Weiß-Porträt des Maestro Herbert von Karajan, eingefangen von Fotokünstler Peter Bock-Schroeder.

Herbert von Karajan

Nahaufnahme Porträt

Wer war Herbert von Karajan?

Herbert von Karajan (5. April 1908 – 16. Juli 1989) war die prägendste Dirigentenfigur des europäischen Nachkriegsmusiklebens. Als Wunderkind am Salzburger Mozarteum ausgebildet, begann er 1929 am Stadttheater Ulm seine Karriere und übernahm 1955, nach dem Tod Wilhelm Furtwänglers, die Berliner Philharmoniker, ein Amt, das er 34 Jahre lang bis kurz vor seinem Tod hielt.

Schwarz-Weiß-Aufnahme des Dirigenten Herbert von Karajan und seiner Frau Eliette, elegant gekleidet vor einer klassischen Mercedes-Benz Limousine stehend.
Herbert und Eliette von Karajan vor Mercedes-Benz – Peter Bock-Schroeder

Der Dirigent Herbert von Karajan und seine Ehefrau Eliette stilvoll gekleidet vor ihrer Mercedes-Benz Limousine, fotografiert von Peter Bock-Schroeder.


Der Star Dirigent und Klangperfektionist Karajan, ist mit über 900 Aufnahmen und geschätzt mehr als 200 Millionen verkauften Tonträgern die meistverkaufte Figur der klassischen Musikgeschichte.

Geboren
5. April 1908, Salzburg
Gestorben
16. Juli 1989, Anif
Amtszeit
Berliner Philharmoniker, 1955–1989
Diskografie
>900 Aufnahmen, Deutsche Grammophon
Gründung
Salzburger Osterfestspiele (1967)
Vermächtnis
Eliette und Herbert von Karajan Institut

Herbert von Karajan und die Berliner Philharmoniker

Verbindung: Karajan & Berliner Philharmoniker · 1955–1989

Keine Verbindung prägte Karajans Wirken so sehr wie sein Amt als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Er formte das Orchester über 34 Jahre zu einem der klanglich homogensten Ensembles der Welt, dem sogenannten "Karajan-Klang", geprägt durch ein ausgeprägtes Legato-Ideal und rigorose Probenarbeit. 1963 wurde unter seiner Mitwirkung die neue Berliner Philharmonie eingeweiht, seither künstlerische Heimat des Orchesters.

Karajan war zugleich ein Pionier der Medien: Er drängte früh auf Fernsehübertragungen und Konzertfilme und gehörte in den 1980er-Jahren zu den treibenden Kräften hinter der Einführung der Compact Disc, ein Format, dessen Speicherkapazität er Berichten zufolge persönlich mitbestimmte.

„Peter Bock-Schroeder (1913-2001) lernte Herbert von Karajan in den 1960er-Jahren kennen und hielt eine Reihe von Fotos fest, sowohl in formalen Situationen als auch in spontanen Momenten. Diese Bilder befinden sich exklusiv in der Sammlung Bock-Schroeder" — Bock-Schroeder Archiv

Biografie-Timeline: Herbert von Karajan in Schlüsseldaten


Karajan in der Luft: seine Flugzeuge und das Herbert-von-Karajan-Terminal

Neben der Musik war das Fliegen Karajans zweite große Leidenschaft. Er besaß den Pilotenschein für Motorflugzeuge und Hubschrauber und nutzte private Flugzeuge, um seinen dichten internationalen Terminkalender zwischen Berlin, Wien, Salzburg und den großen Opernhäusern der Welt zu bewältigen.

Einzelfakt: Karajans Flugzeugflotte

Karajan kaufte im Laufe der Jahre sechs Flugzeuge, darunter eine Beechcraft Twin Turboprop und zwei Jets, eine Lear und eine Dassault Falcon 10. Der Salzburger Flughafen weihte am 25. März 1999, fast zehn Jahre nach seinem Tod, sein neues "Herbert von Karajan Terminal" für Privatflugzeuge offiziell ein, eine bis heute bestehende, wenig bekannte Facette seines Vermächtnisses.


War Herbert von Karajan Mitglied der NSDAP?

Ja, und die genaue Chronologie ist Gegenstand historischer Forschung. Nach heutigem Kenntnisstand, unter anderem durch den Historiker Oliver Rathkolb aufgearbeitet, trat Karajan der NSDAP erstmals 1933 in Salzburg bei. Ein zweiter, formaler Beitritt erfolgte 1935 in Aachen, wo er als Kapellmeister engagiert war, vermutlich weil der erste Beitritt in Österreich nach dem dortigen NSDAP-Verbot 1933 keine offizielle Gültigkeit mehr besaß.

Nach 1945 gab Karajan gegenüber der Wiener Entnazifizierungskommission lediglich das spätere Datum von 1935 an, eine Ungenauigkeit, die erst durch spätere Aktenfunde vollständig aufgeklärt wurde. Das Verfahren endete 1946/47 mit seiner Einstufung als unbelastet, danach kehrte er schrittweise ins internationale Konzertleben zurück und dirigierte ab 1947 wieder öffentlich in Wien.

Quellen: Oliver Rathkolb, "Führertreu und gottbegnadet" (Forschung zur NS-Zeit österreichischer Künstler); Recherche der Stadt Salzburg im Rahmen des NS-Straßennamen-Projekts; Wikipedia (DE/EN).


Ein Sommer mit Herbert von Karajan: Peter Bock-Schroeder, 1964

Der Fotojournalist Peter Bock-Schroeder, bekannt für seine Porträts von Prominenten und Politikern, lernte Herbert von Karajan in den 1960er-Jahren kennen. Im Zuge ihrer Zusammenarbeit hielt Bock-Schroeder eine Reihe von Fotografien Karajans fest, sowohl in formalen Situationen als auch in spontanen, privaten Momenten, in Salzburg und im Sommer 1964 auch in Südfrankreich, wo Karajan ihn und seine Familie zu sich einlud.

Diese unveröffentlichten Aufnahmen bieten einen seltenen, wertvollen Einblick in das Leben eines Mannes, der sich seiner Kunst mit äußerster Hingabe verschrieben hatte, ein Zeugnis, das keine institutionelle Quelle in dieser Form bieten kann.

„Bock-Schroeder lehnte Karajans Angebot ab, sein persönlicher Fotograf zu werden." — Bock-Schroeder Archiv

Die Herbert von Karajan Fotostrecke wird bis heute exklusiv von der Sammlung Bock-Schroeder verwaltet, verwahrt und verwertet.

Herbert von Karajan: Aufnahmen aus dem Bock-Schroeder-Archiv


Repertoire-Schwerpunkte und Diskografie-Highlights

Karajan hinterließ über 900 Aufnahmen, hauptsächlich bei der Deutschen Grammophon, zeitweise auch bei EMI/Warner Classics. Die folgende Auswahl zeigt die prägendsten Werkkomplexe seiner Karriere:

Ausgewählte Diskografie

1963Beethoven: Sinfonien-Gesamtaufnahme (I)
Erster kompletter Beethoven-Zyklus mit den Berliner Philharmonikern, bis heute Referenzaufnahme für viele Klassikliebhaber.
1977Beethoven: Sinfonien-Gesamtaufnahme (II)
Zweiter vollständiger Zyklus, klanglich noch weiter verfeinert, in analoger Studiotechnik.
1980erWagner: Der Ring des Nibelungen
Vielbeachtete Gesamteinspielung im Rahmen seiner intensiven Auseinandersetzung mit Wagners Opernwerk.
1984Beethoven: Sinfonien-Gesamtaufnahme (III)
Digitale Neuaufnahme, entstanden im Kontext seines Engagements für die neu eingeführte Compact Disc.
diverseBruckner & Sibelius Sinfonien-Zyklen
Gelten neben Beethoven als klanglicher Kern seines Vermächtnisses bei Kritik und Publikum.

Karajans Familie und Vermächtnis heute (2026)

Karajans dritte Ehefrau Eliette von Karajan (geb. Mouret) lebt weiterhin im Raum Salzburg/Anif und ist als Ehrenpräsidentin eng mit den Salzburger Osterfestspielen sowie dem von ihr gegründeten Eliette und Herbert von Karajan Institut verbunden, das Nachlass und digitales Archiv des Dirigenten verwaltet. Die gemeinsamen Töchter, Isabel Karajan (Schauspielerin und Springreiterin) und Arabel Karajan (Musikerin), halten sich weitgehend aus der öffentlichen Debatte um das Erbe ihres Vaters heraus.

Im Vorfeld seines 120. Geburtstags im Jahr 2028 bereiten sowohl die Berliner Philharmoniker als auch die Salzburger Osterfestspiele bereits erste Jubiläumsaktivitäten vor, während das digitale Karajan-Archiv (aktuell über 2.300 katalogisierte Aufnahmen) laufend weiter ausgebaut wird.

Eine Leben zwischen Musik, Kunst und Eleganz

Eliette von Karajan

Eliette von Karajan (*1939 in Mollans-sur-Ouvèze, Frankreich) ist eine französische Kunstmäzenin, Malerin und die Witwe des legendären Dirigenten Herbert von Karajan.

Eliette von Karajan (16.9.2026) →
Peter Bock-Schroeder: Fotojournalist und Chronist des Jetsets

Der Blick hinter den Mythos

Peter Bock-Schroeder porträtierte die Ikonen des 20. Jahrhunderts, von Herbert von Karajan bis in die Kreise um Saint-Tropez. Das Archiv bewahrt diese Perspektive.

Archiv Bock-Schroeder

Herbert von Karajan: FAQ

Die meistgesuchten Fragen zu Herbert von Karajan, präzise beantwortet.

Herbert von Karajan (5. April 1908 – 16. Juli 1989) war ein österreichischer Dirigent, der 34 Jahre lang (1955–1989) Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war und zugleich die Wiener Staatsoper (1957–1964), die Salzburger Festspiele sowie die von ihm 1967 gegründeten Salzburger Osterfestspiele leitete.

Ja. Nach heutigem Forschungsstand trat Karajan der NSDAP erstmals 1933 in Salzburg bei, ein zweiter, formaler Beitritt erfolgte 1935 in Aachen. Nach 1945 gab er der Wiener Entnazifizierungskommission nur das spätere Datum an; das Verfahren endete 1946/47 mit seiner Einstufung als unbelastet.

Genaue Zahlen sind nicht öffentlich verifiziert. Schätzungen gehen von einem Nachlassvermögen im dreistelligen Millionen-DM-Bereich aus, gespeist aus Schallplattentantiemen, Dirigierhonoraren und Fernsehproduktionen.

Karajan beschrieb dies als bewusste Konzentration auf das Hören statt auf das Sehen, eine Art meditativer Verinnerlichung, mit der er den homogenen "Karajan-Klang" formen wollte, ohne sich vom Visuellen ablenken zu lassen.

Karajan kaufte sechs Flugzeuge, darunter eine Beechcraft Twin Turboprop sowie zwei Jets, eine Lear und eine Dassault Falcon 10. Am 25. März 1999 weihte der Salzburger Flughafen ihm zu Ehren das neue "Herbert von Karajan Terminal" für Privatflugzeuge ein.

Karajan starb am 16. Juli 1989 im Alter von 81 Jahren an Herzversagen in seinem Wohnsitz in Anif bei Salzburg, wenige Tage nach seinem Rücktritt als Chefdirigent. Er wurde auf dem Friedhof von Anif beigesetzt.

Eliette von Karajan lebt weiterhin im Raum Salzburg/Anif und ist als Ehrenpräsidentin eng mit den Salzburger Osterfestspielen sowie dem von ihr gegründeten Eliette und Herbert von Karajan Institut verbunden.

Karajans Töchter aus dritter Ehe sind Isabel Karajan (Schauspielerin und Springreiterin) und Arabel Karajan (Musikerin). Beide halten sich weitgehend aus der öffentlichen Debatte um das Vermächtnis ihres Vaters heraus.

Das digitale Karajan-Archiv katalogisiert über 2.300 Aufnahmen aus mehr als 3.300 Konzerten mit über 130 Orchestern, hauptsächlich für die Deutsche Grammophon entstanden.

Der Fotojournalist Peter Bock-Schroeder lernte Karajan in den 1960er-Jahren kennen und begleitete ihn 1964 in Salzburg sowie in Südfrankreich, wo er ihn und seine Familie sowohl formell als auch privat fotografierte. Karajan bot ihm an, sein persönlicher Fotograf zu werden, Bock-Schroeder lehnte jedoch ab.
Redaktioneller Hinweis: Alle Datumsangaben in diesem Artikel basieren auf triangulierten Quellen (Wikipedia DE/EN, Berliner Philharmoniker, Eliette und Herbert von Karajan Institut, Recherche der Stadt Salzburg zum NS-Straßennamen-Projekt, Bock-Schroeder-Archiv). Karajans NSDAP-Mitgliedschaft wird nach dem Forschungsstand von Oliver Rathkolb dargestellt. Letzte Aktualisierung: September 2026.


Rolleiflex Kamera

Über den Autor: Jans Bock-Schroeder

Jans Bock-Schroeder verwaltet das fotografische Archiv seines Vaters Peter Bock-Schroeder und veröffentlicht regelmäßig historisch recherchierte Porträts von Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, von Herbert von Karajan, Gunter Sachs bis Brigitte Bardot, auf Basis von Originalmaterial, Familienarchiv und triangulierten Quellen.

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