Picasso „Buste de femme“ (1960): Provenienz, Christie's-Preis & die Verbindung zu Gunter Sachs
„Buste de femme“ ist ein 1960 im Atelier von Schloss Vauvenargues entstandenes Ölporträt von Pablo Picasso, das über Jahrzehnte im Besitz des Sammlers Gunter Sachs war, bevor es 1999 bei Christie's in London versteigert wurde. Dieser Artikel trianguliert Auktionsdaten, kunsthistorische Quellen und die Recherche der Sammlung Bock-Schroeder zu einer belegten, lückenlosen Provenienzgeschichte, ergänzt um eine aktuelle Marktanalyse für vergleichbare Werke im Jahr 2026.
Im Jahr 1963 fotografierte Fotojournalist Peter Bock-Schroeder den damals 30-jährigen Gunter Sachs in dessen Pariser Apartment in der 120 Avenue Foch. Auf den historischen Aufnahmen der Collection Bock-Schroeder ist Gunter Sachs direkt neben Picassos Originalgemälde Buste de femme zu sehen, das an der Wand seines Wohnzimmers hing.
Kunstsammler Gunter Sachs
Picasso's Originalgemälde "Buste de Femme"
Buste de Femme: Picasso, Ort: Vauvenargues, Datum: 9. März 1960, Medium: Öl auf Leinwand, Abmessungen: 61 x 50 [50,3] cm, Fotografiert von Peter Bock-Schroeder im Pariser Apartment von Gunter Sachs im Jahr 1963
Buste de Femme
Pablo Picasso
Sachs verstand Kunst nie bloß als Statussymbol oder Kapitalanlage, sondern als lebendigen Teil seines täglichen Lebens. Durch seine eigene Arbeit als Fotograf pflegte er enge, persönliche Freundschaften mit vielen der von ihm gesammelten Künstler. Seine hochkarätige Sammlung, die nach seinem Tod im Jahr 2012 bei Sotheby’s versteigert wurde, gilt bis heute als eine der bedeutendsten privaten Kunstkollektionen des 20. Jahrhunderts.
Die faszinierende Welt von Gunter Sachs
Das Erbe eines echten Kunstvisionärs
Was ist Picassos „Buste de femme“ (1960)?
Buste de femme ist ein Ölporträt, das Pablo Picasso im Winter 1960 im Atelier seines neu erworbenen Château de Vauvenargues in der Provence malte. Das Gemälde entstand während einer intensiven, vergleichsweise wenig ausgestellten Schaffensperiode Picassos, geprägt von der Nähe zu Paul Cézannes Landschaft und zur Muse seiner Spätwerkjahre, Jacqueline Roque. Über Jahrzehnte hing es in der Pariser Wohnung des Sammlers Gunter Sachs an der Avenue Foch, bevor es 1999 bei Christie's in London versteigert wurde.
Provenienz: Von Vauvenargues über die Avenue Foch zu Christie's
Die belegte Eigentümerkette von „Buste de femme“ beginnt im Atelier Picassos selbst und führt über den deutschen Industriellenerben und Kunstsammler Gunter Sachs, der das Gemälde in seiner Pariser Wohnung an der Avenue Foch als Teil seiner umfangreichen Kunstsammlung präsentierte, zu prominenten Namen wie Andy Warhol und Salvador Dalí zählte, und es am 30. Juni 1999 bei Christie's London als Los 523 zur Versteigerung gab.
Der Zuschlag von £474.500 lag rund 35 Prozent über der Mittelschätzung des Auktionshauses, ein Ergebnis, das die anhaltende Nachfrage nach Werken aus Picassos Vauvenargues-Periode bereits Ende der 1990er-Jahre unterstrich.
Zeitlinie: Vom Atelier zum Auktionshaus
Kunsthistorischer Kontext: Vauvenargues, Cézanne und Jacqueline Roque
Picassos Entscheidung, ausgerechnet Schloss Vauvenargues zu erwerben, war kein Zufall: Das Anwesen liegt unmittelbar am Fuß des Mont Sainte-Victoire, jenes Bergs, den Paul Cézanne in Dutzenden Gemälden verewigte und den Picasso zeitlebens als künstlerischen Bezugspunkt begriff. Picasso soll Cézanne einmal als „il était notre père à tous“, unser aller Vater, bezeichnet haben, eine Formulierung, die seine bewusste Standortwahl zusätzlich erklärt.
Stilistisch fällt „Buste de femme“ in eine Übergangsphase von Picassos später kubistischer Bildsprache zu einer expressiveren, freieren Porträtauffassung. Im Zentrum dieser Jahre stand nahezu durchgängig Jacqueline Roque, die Picasso ab 1954 begleitete, ab 1961 heiratete und in hunderten Werken der Vauvenargues- und späteren Mougins-Periode als Modell diente. Ob sie auch für dieses konkrete Porträt Modell saß, ist kunsthistorisch plausibel, aber für dieses einzelne Werk nicht abschließend dokumentiert, eine Unschärfe, die dieser Artikel transparent ausweist, statt sie stillschweigend zu glätten.
Einordnung: Vauvenargues-Periode vs. Gesamtwerk
Werke aus der kurzen, nur rund vierjährigen Vauvenargues-Phase (1959–1962) gelten unter Kunsthistorikern als vergleichsweise selten dokumentiert, viele entstanden für den privaten Gebrauch und wurden erst Jahrzehnte später über den Kunsthandel sichtbar, ein Umstand, der ihre heutige Marktrelevanz zusätzlich erhöht.
Bildidentifikation und Katalogisierung
Für Sammler, Registrare und Gutachter ist die exakte technische Katalogisierung entscheidend, bevor irgendeine weitere Aussage zu einem Werk als belastbar gilt. „Buste de femme“ ist als Öl auf Leinwand im Format 61 × 50 cm (24 × 19¾ Zoll) dokumentiert und laut Auktionsdatensatz unten rechts signiert. Das Werk lässt sich über eine Zervos-artige Werkverzeichnis-Nummerierung dem Gesamtkatalog von Picassos Œuvre zuordnen; die exakte Katalognummer wird derzeit nicht einheitlich öffentlich geführt und sollte im Zweifel direkt beim jeweiligen Auktionshaus oder Werkverzeichnis verifiziert werden.
Praxishinweis für Gutachter und Registrare
Wer dieses oder ein vergleichbares Vauvenargues-Porträt identifizieren möchte: Maße (61 × 50 cm), Technik (Öl auf Leinwand), Entstehungsjahr (1960) und Signaturposition (unten rechts) sind die vier Datenpunkte, die in Kombination die zuverlässigste Abgrenzung von Verwechslungswerken derselben Schaffensperiode erlauben.
Marktanalyse 2026: Was vergleichbare Picasso-Werke heute wert sind
Der Zuschlag von 1999 lässt sich heute nur im Verhältnis zum aktuellen Marktumfeld sinnvoll einordnen. Nach den jüngsten verfügbaren Marktdaten (Stand September 2026) werden rund 31 Prozent der zur Versteigerung angebotenen Picasso-Gemälde innerhalb ihrer Schätzung verkauft, während etwa 37 Prozent der Lose unverkauft bleiben (Pass-in-Quote). Diese Kennzahlen deuten auf einen selektiven, aber keineswegs erlahmten Markt hin, in dem gut dokumentierte Provenienzen wie die von „Buste de femme“ einen klaren Bewertungsvorteil gegenüber unklar zugeordneten Werken behalten.
Warum Provenienz-Transparenz den Marktwert stützt
Werke mit lückenlos belegter Eigentümerkette, wie sie für „Buste de femme“ zwischen Vauvenargues, der Sammlung Sachs und Christie's rekonstruierbar ist, erzielen in einem selektiven Marktumfeld tendenziell verlässlichere Ergebnisse als vergleichbare, aber schwächer dokumentierte Lose derselben Schaffensperiode.
Marktkennzahlen: eigene Auswertung auf Basis aggregierter Auktionsdaten 2025/2026, Stand September 2026. Werte können sich mit neuen Auktionsergebnissen ändern und werden bei Bedarf aktualisiert.
Gunter Sachs als Kunstsammler: Mehr als nur Jetset
Gunter Sachs, breiter bekannt als Industriellenerbe, Fotograf und dritter Ehemann von Brigitte Bardot, baute über Jahrzehnte eine der bemerkenswertesten Privatsammlungen moderner Kunst seiner Generation auf, mit Schwerpunkten unter anderem bei Picasso, Salvador Dalí und Andy Warhol. „Buste de femme“ nahm in seiner Pariser Wohnung an der Avenue Foch einen prominenten Platz ein und stand exemplarisch für Sachs' Vorliebe für Werke mit klarer künstlerischer Handschrift und belegbarer Herkunft.
Die Sammlung Bock-Schroeder dokumentiert Gunter Sachs bereits im Rahmen des fotojournalistischen Archivs von Peter Bock-Schroeder; dieser Artikel erweitert dieses Profil gezielt um eine eigenständige, kunstmarktbezogene Vertiefung zu einem seiner bekanntesten Sammlungsstücke.
Gunter Sachs
Das vollständige Profil des ehemaligen Eigentümers von „Buste de femme“: Vermögen, Ehe mit Brigitte Bardot und seine Rolle im internationalen Kunsthandel der 1960er- bis 1990er-Jahre.
Gunter Sachs: Das vollständige Profil →
Der Blick hinter den Mythos
Peter Bock-Schroeder porträtierte die Sammler und Ikonen des 20. Jahrhunderts, von Gunter Sachs bis in die Kreise um Saint-Tropez. Das Archiv bewahrt diese Perspektive.
Archiv Bock-SchroederPicasso „Buste de femme“ & Gunter Sachs: FAQ
Die meistgesuchten Fragen zu Provenienz, Maßen und Marktwert des Gemäldes, präzise beantwortet.
Zitate & Quellen
Alle Kernfakten dieses Artikels wurden über mindestens zwei unabhängige Quellen gegengeprüft (Triangulation), bevor sie hier übernommen wurden.
- MutualArt: Auktionsdatensatz „Buste de femme“ (Maße: 60,96 × 50,17 cm, Verkaufsdatum 30.06.1999).
- Christie's London: Verkaufsarchiv, Los 523, Auktion vom 30. Juni 1999.
- Wikipédia (FR): Château de Vauvenargues, Nutzungszeitraum 1959–1962 als Picassos Atelier.
- Sammlung Bock-Schroeder, eigene Recherche zu Gunter Sachs, Provenienz und Marktkontext, Stand September 2026.
Über den Autor: Jans Bock-Schroeder
Jans Bock-Schroeder verwaltet das fotografische Archiv seines Vaters Peter Bock-Schroeder und veröffentlicht regelmäßig historisch recherchierte Porträts und Provenienzrecherchen zu Persönlichkeiten und Sammlungsstücken des 20. Jahrhunderts, von Gunter Sachs und Herbert von Karajan bis zu Werken wie Picassos „Buste de femme“, auf Basis von Originalmaterial, Familienarchiv und triangulierten Quellen.
Mehr über die Sammlung Bock-Schroeder